Rechtsschutz – gebraucht, als der Nachbar den Zaun versetzte

Veröffentlicht am 15 Juli 2025 von Wolfgang Steck in Versicherungen · 2 Min. Lesezeit
Rechtsschutz – gebraucht, als der Nachbar den Zaun versetzte

Der Zaun stand seit 1998 dort, wo er stand. Als der Nachbar ihn im Frühjahr neu gesetzt hat, stand er gut 40 Zentimeter weiter auf unserer Seite. Er war überzeugt, dass er im Recht ist, ich war überzeugt vom Gegenteil, und beide hatten wir nur unsere Erinnerung.

Warum das teurer wird, als man denkt

Bei Grenzstreitigkeiten hilft kein Zollstock, sondern nur die amtliche Vermessung. Ein Grenzfeststellungsverfahren beim Vermessungsamt kostet je nach Umfang einen vierstelligen Betrag. Dazu kam eine anwaltliche Erstberatung, weil ich wissen wollte, ob die jahrzehntelange Duldung überhaupt eine Rolle spielt.

Ohne Rechtsschutz hätte ich diese Rechnung vor mir gehabt, bevor auch nur klar war, wer recht hat. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, was ich dann gemacht hätte: nachgeben und mich zehn Jahre lang ärgern.

Was die Police abgedeckt hat und was nicht

Unser Vertrag hat einen Baustein für Wohnen und Grundstück. Der deckte die anwaltliche Vertretung und die Gerichtskosten für den Fall einer Klage. Nicht gedeckt war das Vermessungsverfahren selbst, weil das ein Verwaltungsverfahren ist und kein Rechtsstreit.

Das war die Lektion für mich: Rechtsschutz zahlt den Streit, nicht die Sachverhaltsklärung. Ich hatte vorher angenommen, dass alles, was mit der Sache zusammenhängt, mit drinsteckt.

Die Wartezeit, an die niemand denkt

Die meisten Rechtsschutzverträge haben in den relevanten Bausteinen eine Wartezeit von drei Monaten. Wer den Vertrag abschließt, weil der Streit gerade begonnen hat, bekommt kein Geld. Unser Vertrag lief seit 2016, deshalb war das kein Thema — aber es ist der Grund, warum diese Versicherung eine ist, die man abschließt, wenn man sie nicht braucht.

Wie es ausgegangen ist

Die Vermessung hat mir recht gegeben, allerdings nur zu etwa zwei Dritteln: Die alte Grenze lag tatsächlich weiter außen als der neue Zaun, aber auch nicht ganz dort, wo ich sie vermutet hatte. Der Nachbar hat den Zaun versetzt, wir haben uns die Kosten der Vermessung geteilt, und es kam nie zu einer Klage. Der Anwalt hat einen Brief geschrieben, mehr war nicht nötig.

Der eigentliche Wert der Police lag in diesem Fall nicht in einer ausgezahlten Summe, sondern darin, dass ich das Gespräch aus einer anderen Haltung heraus führen konnte. Das ist schwer zu beziffern und trotzdem der Grund, warum der Vertrag weiterläuft.

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