Der Gaskessel wird dieses Jahr siebzehn. Irgendwann muss etwas passieren, und weil ich die Diskussion nicht auf den Tag verschieben wollte, an dem er ausfällt, haben wir uns im Frühjahr beraten lassen.
Was zuerst geprüft wurde
Der Energieberater hat nicht über Fabrikate geredet, sondern zwei Dinge gemessen. Erstens die Vorlauftemperatur, mit der unsere Heizung im Winter tatsächlich läuft. Zweitens den Zustand der Hülle: Dach, Fenster, Kellerdecke, Außenwände.
Die Vorlauftemperatur ist der entscheidende Punkt. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger sie sein darf. Bei uns lief die Heizung an kalten Tagen mit 62 Grad. Das ist für die alten Gussheizkörper völlig normal, für eine Wärmepumpe aber der Bereich, in dem die Jahresarbeitszahl einbricht.
Die Zahl, die alles entschieden hat
Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom werden. Bei unserem Vorlauf und unserer Dämmung kam die Berechnung auf etwa 2,6. Bei einem Strompreis, der pro Kilowattstunde ungefähr das Dreifache des Gaspreises beträgt, wären die laufenden Kosten also nicht gesunken, sondern leicht gestiegen — trotz Förderung für den Einbau.
Das ist der Teil, der in den Beispielrechnungen fehlt, die man online findet. Dort steht meistens eine Jahresarbeitszahl von 3,5 bis 4. Die ist realistisch, wenn Fußbodenheizung oder große Flächenheizkörper vorhanden sind und die Hülle stimmt. In einem Haus von 1961 mit Heizkörpern von 1961 ist sie es nicht.
Was der Berater stattdessen empfohlen hat
- Die Kellerdecke dämmen — überschaubare Kosten, direkte Wirkung, weil unsere Wohnräume darüberliegen.
- Den hydraulischen Abgleich machen lassen, damit die entfernten Heizkörper nicht mehr unterversorgt sind und die Vorlauftemperatur gesenkt werden kann.
- In zwei bis drei Jahren neu rechnen. Wenn der Vorlauf dann bei 50 Grad liegt, sieht die Wärmepumpenrechnung völlig anders aus.
Was uns die Beratung gekostet hat
Der Vor-Ort-Termin mit schriftlichem Bericht kostete uns nach Förderung einen niedrigen dreistelligen Betrag. Gemessen daran, dass wir sonst vermutlich eine Anlage im mittleren fünfstelligen Bereich eingebaut hätten, die unsere Betriebskosten erhöht, war das die beste Investition des Jahres.
Der ehrliche Nachsatz
Ich schreibe das nicht als Argument gegen Wärmepumpen. Bei zwei Nachbarn in Neubauten läuft die Technik hervorragend und sie zahlen weniger als wir. Der Punkt ist, dass die Entscheidung am eigenen Haus hängt und nicht an der Technologie — und dass die zwei Messwerte, die das entscheiden, in zwei Stunden erhoben sind.
