Ökostrom oder Graustrom: Was der Unterschied im Vertrag wirklich bedeutet

Veröffentlicht am 6 Mai 2025 von Wolfgang Steck in Strom & Gas · 2 Min. Lesezeit
Ökostrom oder Graustrom: Was der Unterschied im Vertrag wirklich bedeutet

Nach dem Anbieterwechsel im letzten Jahr kam die Frage, die ich vorher immer weggeschoben hatte: nehme ich den normalen Tarif oder den mit dem grünen Blatt daneben? Der Unterschied waren bei uns knapp 40 Euro im Jahr. Ich wollte wissen, wofür.

Physikalisch ist der Strom derselbe

Das muss man einmal aussprechen, weil es sonst die ganze Diskussion verzerrt: In unserer Leitung kommt an, was gerade im Netz ist. Es gibt keine grüne Steckdose. Was man kauft, ist nicht der Strom im Kabel, sondern ein Nachweis darüber, dass irgendwo eine entsprechende Menge erneuerbar erzeugt wurde.

Diese Nachweise heißen Herkunftsnachweise und werden beim Umweltbundesamt registriert. Ein Versorger kauft sie ein und darf seinen Tarif dann Ökostrom nennen. Das ist kein Betrug, aber es ist auch nicht automatisch das, was die meisten sich darunter vorstellen.

Der Unterschied, auf den ich inzwischen schaue

Entscheidend ist für mich, ob der Anbieter mit dem Geld etwas Neues baut oder nur Nachweise umschichtet. Zwei Dinge lassen sich dazu im Vertrag beziehungsweise auf der Anbieterseite nachlesen:

  • Woher die Nachweise stammen. Sehr günstige Ökostromtarife arbeiten oft mit Nachweisen aus alten norwegischen Wasserkraftwerken. Die stehen seit Jahrzehnten und hätten den Strom auch ohne meinen Vertrag erzeugt.
  • Ob es eine Zusagen zum Neubau gibt. Manche Anbieter verpflichten sich, pro verkaufter Kilowattstunde einen festen Betrag in neue Anlagen zu stecken, und lassen das prüfen.

Dazu kommen die Label. Das ok-power-Label und das Grüner Strom-Label stellen Anforderungen, die über den reinen Nachweishandel hinausgehen. Ein Tarif ohne Label ist nicht zwangsläufig schlecht, aber ich muss dann selbst nachlesen.

Was ich gemacht habe

Wir sind bei einem Tarif mit Label gelandet. Die 40 Euro Aufpreis waren mir das wert, aber ich möchte ehrlich sein: Der Ausschlag war nicht die Ökologie allein. Der Anbieter hatte auch die klarere Preisstruktur, keinen Neukundenbonus, der im zweiten Jahr wegfällt, und eine Preisgarantie, die tatsächlich den Arbeitspreis umfasst und nicht nur die Nebenkosten.

Was ich mir hätte sparen können

Zwei Abende Recherche, wenn ich gleich gewusst hätte, worauf ich schauen muss. Deshalb steht es jetzt hier. Wenn Sie nur eine Sache mitnehmen: Schauen Sie nach, ob der Tarif ein Label trägt und aus welchem Land die Herkunftsnachweise kommen. Steht dazu nichts, ist das auch eine Antwort.

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