Nachdem wir den Zweitwagen abgeschafft hatten, wollte ich wissen, wie weit man hier ohne eigenes Auto kommt. Vier Wochen Selbstversuch, so konsequent es ging.
Was funktioniert hat
Die Verbindung nach Kempten und nach Sonthofen ist gut. Die Bahn fährt regelmäßig, ist pünktlich genug und für Termine tagsüber eine echte Alternative. Ich bin in diesen vier Wochen dreimal so gefahren und habe jedes Mal auf der Fahrt etwas erledigt, was ich sonst abends gemacht hätte.
Auch das Monatsticket rechnet sich schnell, wenn man mehr als etwa acht Fahrten im Monat macht.
Was nicht funktioniert hat
Alles, was quer geht statt ins Tal. Zu einem Termin in einem Nachbarort, für den ich mit dem Auto achtzehn Minuten brauche, waren es mit Umstieg eine Stunde zehn — bei zwei Verbindungen am Vormittag.
Und alles nach 19 Uhr. Der letzte Bus, der bei uns am Ortsrand hält, fährt so, dass ein Kinobesuch in Kempten mit Rückfahrt nicht möglich ist. Das ist keine Kritik am Verkehrsverbund — bei unserer Siedlungsdichte lässt sich ein Spätbus schwer betreiben.
Die Rechnung, die ich mir dann gemacht habe
Wenn ich unser verbliebenes Auto mit allen Kosten auf den Kilometer umlege, komme ich auf etwa 41 Cent. Eine Fahrt ins Tal und zurück sind 28 Kilometer, also gut 11 Euro. Die entsprechende Bahnfahrt kostet deutlich weniger.
Für die Strecken, auf denen der ÖPNV funktioniert, ist er also klar günstiger. Das Problem ist, dass diese Strecken nicht die Mehrzahl unserer Wege sind.
Was ich daraus gemacht habe
Kein Umstieg, sondern eine Aufteilung. Termine in Kempten und Sonthofen fahre ich seit dem Versuch überwiegend mit der Bahn — das sind bei mir sechs bis acht Fahrten im Monat. Alles andere bleibt beim Auto.
Das klingt nach einem faulen Kompromiss und ist der einzige, der bei uns hält. Ein Jahr lang mit schlechtem Gewissen den ÖPNV zu loben und trotzdem zu fahren, wäre unehrlicher.
Der Nebeneffekt
Wir kommen mit einem Auto tatsächlich aus, seit die Bahnfahrten fest im Kalender stehen. Vorher war jeder Termin eine Absprache. Jetzt sind die sechs bis acht Fahrten im Monat schlicht Termine ohne Auto, und die Abstimmung ist deutlich entspannter geworden.
