Eine Stromrechnung sieht kompliziert aus, besteht aber aus wenigen Bausteinen. Ich habe unsere Abrechnung für 2024 einmal Zeile für Zeile durchgearbeitet, weil ich wissen wollte, welcher Teil überhaupt beeinflussbar ist.
Die beiden Zahlen, auf die es ankommt
Grundpreis: ein fester Betrag pro Monat oder Jahr, unabhängig vom Verbrauch. Bei uns waren es 11,90 Euro im Monat. Der Grundpreis deckt Messstellenbetrieb und Verwaltung ab.
Arbeitspreis: der Cent-Betrag pro verbrauchter Kilowattstunde. Das ist die Zahl, die beim Vergleichen zählt, und zugleich die, die in Erhöhungsschreiben gerne im Fließtext versteckt wird.
Ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis und hohem Grundpreis lohnt sich bei hohem Verbrauch, umgekehrt bei niedrigem. Bei unseren rund 2.600 Kilowattstunden liegt der Kipppunkt so, dass ich auf den Grundpreis durchaus achte — bei einem Single-Haushalt mit 1.200 Kilowattstunden wäre er noch wichtiger.
Was im Arbeitspreis alles drinsteckt
Der Arbeitspreis ist kein reiner Einkaufspreis. Aufgeschlüsselt fanden sich auf unserer Rechnung:
- Netzentgelte — die größte Einzelposition nach der reinen Beschaffung. Sie hängen vom Netzbetreiber vor Ort ab, sind also regional verschieden und für mich nicht verhandelbar.
- Konzessionsabgabe — eine Abgabe an die Gemeinde für die Nutzung öffentlicher Wege.
- Stromsteuer — ein fester Cent-Betrag pro Kilowattstunde.
- Umlagen (KWKG, § 19 StromNEV, Offshore, abschaltbare Lasten) — kleine Beträge, die jährlich neu festgesetzt werden.
- Umsatzsteuer auf die gesamte Summe.
Was das für den Wechsel bedeutet
Ein erheblicher Teil der Rechnung ist staatlich oder regional gesetzt und bei jedem Anbieter identisch. Das ist der Grund, warum der Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten seriösen Angebot nicht bei 60 Prozent liegt, sondern eher bei 20 bis 25. Wer mit dramatisch niedrigeren Preisen wirbt, arbeitet meistens mit einem einmaligen Bonus, der im Folgejahr wegfällt.
Die Zeile, die ich zuerst prüfe
Ganz oben steht der Abrechnungszeitraum mit Anfangs- und Endzählerstand. Wenn dort geschätzt oder rechnerisch ermittelt steht, lohnt sich der Blick auf den eigenen Zähler. Bei uns stimmte es, aber bei meinen Eltern war der Endstand einmal um über 400 Kilowattstunden zu hoch geschätzt. Ein Foto vom Zählwerk und eine Mail haben gereicht, um das zu korrigieren.
Seitdem fotografiere ich den Zähler jedes Jahr am 31. Dezember. Das Bild hat ein Datum, und damit ist jede Diskussion in zwei Minuten erledigt.
