Ich habe kein Problem mit Onlineshopping. Ich hatte ein Problem damit, dass zwischen dem Gedanken das wäre praktisch und einer Bestellung ungefähr neunzig Sekunden lagen.
Die Regel
Alles, was nicht Verbrauchsmaterial ist, kommt in den Warenkorb und bleibt dort 72 Stunden. Erst danach darf bestellt werden. Keine Ausnahme, außer es ist kaputt und wird gebraucht.
Das ist alles. Kein Verzicht, kein Budget, keine Liste mit erlaubten Kategorien.
Was passiert ist
Ich habe ein Jahr lang mitgeschrieben. 47 Dinge sind im Warenkorb gelandet. Bestellt habe ich am Ende 19. Die anderen 28 habe ich nach drei Tagen gelöscht, weil ich sie schlicht nicht mehr wollte.
Der Warenwert der gelöschten Positionen lag bei rund 1.240 Euro. Das ist keine saubere Ersparnis — einen Teil davon hätte ich vermutlich auch ohne die Regel nicht gekauft. Aber die Größenordnung hat mich beeindruckt.
Was in den 72 Stunden passiert
Meistens nichts. Und genau das ist der Punkt. Der Impuls, etwas zu kaufen, hat eine Halbwertszeit von etwa einem Tag. Was nach drei Tagen noch überzeugt, ist in der Regel etwas, das ich tatsächlich brauche.
Bei drei Dingen ist mir in der Wartezeit eingefallen, dass wir so etwas schon haben. Bei zwei anderen habe ich in der Zeit eine gebrauchte Variante im Ort gefunden.
Wo die Regel nervt
Bei Geschenken kurz vor einem Termin. Und bei Angeboten mit Frist — da arbeitet die ganze Mechanik der Seite genau gegen die Wartezeit. Ich habe zweimal ein befristetes Angebot verstreichen lassen und beide Male hinterher festgestellt, dass mich das nicht gestört hat.
Was ich nicht empfehle
Sich Konten löschen oder Apps deinstallieren. Ich habe das zu Beginn gemacht und nach drei Wochen alles wieder eingerichtet, weil es im Alltag umständlich war. Eine Regel, die Reibung erzeugt, hält nicht — eine, die nur eine Wartezeit einführt, schon.
Nach einem Jahr ist die Regel keine Regel mehr, sondern Gewohnheit. Der Warenkorb ist inzwischen so etwas wie eine Merkliste geworden, und das Löschen fühlt sich nicht mehr nach Verzicht an.
